Mehr Fotos vom Cob-Workshop 2011 in Dänemark

Mehr Fotos vom Cob-Workshop 2011 in Dänemark, diesmal die genauen Arbeitsschritte.

Da wir den Wellerlehm mit bloßen Füßen bearbeitet haben, musste die Erde erst gesiebt werden.

Ein rechteckiger Holzrahmen, mit Drahtgitter gespannt, ist in steilem Winkel aufgestellt, darunter ein Haufen gesiebter Erde

Leider war der Lehmanteil zu gering, so dass noch extra Lehm hinzugefügt werden musste. Wessen Erde das richtige Verhältnis von Lehm und Sand schon von vornherein hat, hat Glück, aber meist muss mensch noch entweder Lehm oder (was billiger ist) Sand hinzumischen. Da jeder Lehm/Ton etwas anders ist, muss mensch das beste Mischungsverhältnis ausprobieren.

Eine stabile Plane, auf der etwa 2 Eimer Erde einen flachen Haufen bilden.

Zuerst kommt die Erde auf die Plane, denn wenn wir den Lehm zuerst drauftun würden, würde er kleben bleiben. Die Planen helfen beim mischen sehr.

In einem Eimer wird ockerfarbener Lehm gemixt.

Auch der Lehm sollte nicht zu viele Klumpen haben und wurde daher in Wasser eingeweicht. Jetzt wird er gemixt.

Mehrere Eimer und Bottiche mit Lehm, an einem lehnt der Mixer. Funktioniert wie ein Küchen-Handmixer, ist nur viel größer.

Zwei paar nackter Füße mischen Erde und Lehm auf einer Plane

Erst werden Erde und Lehm (oder Erde und Sand, wenn die Erde genug Ton hat und noch Sand zusätzlich braucht) gut gemischt. Wir hatten dabei manchmal das Gefühl, zu backen: Schokokuchen mit Karamell-Creme. Es ist wirklich, wie Teig zuzubereiten: mit der Zeit bekommt mensch ein Gefühl dafür, wann die richtige Konsistenz erreicht ist. Einmal machen (besonders mit bloßen Füßen stampfen) hilft mehr als es noch so oft in Büchern zu lesen oder in Filmen zu sehen!

Ein wenig loses Stroh wurde über das Erde-Lehm gemisch gestreut und wird nun auch mit den Füßen eingeknetet

Stroh wird nach und nach hinzugefügt, eingeknetet und mehr hinzugefügt. Es soll nicht zusammenklumpen, sondern jeder Strohhalm soll von Lehm umgeben sein. Stroh ist extrem wichtig für die Stabilität des Wellerlehms! Je mehr Stroh drin ist, desto höher ist auch der Isolierwert, aber Cob ist besser darin, Wärme aufzunehmen, zu speichern und langsam wieder abzugeben, als zu isolieren.

Es sollte so viel Stroh zugefügt werden, wie möglich.

Ein großer Batzen Wellerlehm liegt auf einer Plane, mehrere Menschen nehmen kleinere Portionen davon und formen sie zu "Cobs"

So sieht fertig gemischter, gut gekneteter Cob aus (das ist jetzt allerdings nicht derselbe wie auf den Fotos oben, hier ist grauer Lehm drin, dadurch ist die Farbe anders).

Test: Rollt die Masse auf der Plane hin und her. Wenn der Wellerlehm dann so gut zusammenhält wie hier auf dem Bild, dann ist er gut. Jetzt weden die kleinen Cob-Batzen geformt, die etwa so groß sind wie Brote. Sie können von Mensch zu Mensch geworfen werden (wenn sie gut sind, halten sie das aus), bis sie auf der Mauer sind. Das macht so viel Spaß, dass wir einmal eine Kette aus allen Kurs-Teilnehmer_innen gebildet haben, obwohl die Strecke eigentlich ziemlich kurz gewesen wäre.

Mehrere Menschen bauen mit ihren Händen Cob auf die Fundamentsteine (Natursteine)

Mit Wellerlehm bauen: Wir mögen am liebsten direkt mit den Händen arbeiten, aber auch ein „Cob-Daumen“ aus Holz, wie er im Bild unten links zu sehen ist, hilft. Es gibt auch die Möglichkeit, bei breiten Wänden, die Füße zu nehmen und auf der Wand gehend den Wellerlehm einzuarbeiten. Wichtig ist jedenfalls, dass neue Schichten Cob mit den vorhergehenden so gut wie möglich verbunden werden. Es sollte nicht mehr möglich sein, die Schichten auseinander zu halten. Die kleinen Batzen werden also nicht etwa wie Mauerziegel verwendet! Sie sind nachher nicht mehr zu erkennen. Gut ist es, mit dem Cob-Daumen Stohfasern von einer Schicht in die andere zu drücken, so dass sie miteinander „vernäht“ werden.

Die Oberfläche der Mauer sollte immer ungefähr gerade, aber nicht glatt sein. Wenn sie glatt wäre, würde die nächste Schicht Cob schlecht halten. Aber sie soll auch nicht rund werden, so dass die Mitte höher ist als die Außenseiten. Besonders, wenn die nächste Schicht nicht sofort kommt, sondern vielleicht am nächsten Tag erst und der Wellerlehm somit Zeit hatte, etwas zu trocknen, ist es sinnvoll, Löcher in den Cob zu drücken, damit die nächste Schicht darin hineingearbeitet werden kann.

Eine dünne schicht Lehm-Schlicker auf einer Cob-Wand

Hier war ein Teil des Cobs schon ziemlich trocken und so wurde eine Schicht Schlicker (Wasser-Lehm-Mischung) aufgetragen, um den Cob etwas anzuweichen, damit die nächste Schicht besser halten kann.

in eine etwa 40cm lange Wurst aus Lehm wird längs eine Kerbe gedrückt. Im Hintergrund liegt schon das Langstroh bereit

Corbel-Cob wird hergestellt

Hier wird ein Corbel-Cob hergestellt, für besonders beanspruchte Stellen, wo Stabilität am wichtigsten ist. Dafür wird besonders lehmhaltiger Cob mit etwas weniger Stroh gemischt, daraus dann eine Wurst geformt und in die werden dann lange Strohhalme eingearbeitet. Auch hier sollten idealerweise die Strohhalme von Lehm umschlossen sein, sie gucken aber an den Enden noch raus.

Eine Cob-Wurst aus der an beiden Enden Stohhalme rausgucken liegt auf der Cob-Bank

Die Bank, auf der der Corbel-Cob hier liegt, ist auch gleichzeitig ein Anwendungsbeispiel: Sowohl in der Sitzfläche, als auch in den Armlehnen (und im Dach, dazu kommen noch Fotos) wurden sie verwendet. Generell immer da, wo der Cob übersteht oder Bögen bildet und nicht direkt von unten unterstützt wird.

In der Mitte geknickte Corbels werden über das dreieckige Fenster (dessen lange Seite oben ist) gebaut

Anwendung von Corbel-Cobs: Über dem Fenster. Hier wurden sie in der Mitte geknickt. Die erste Schicht Cob auf dem Fenster ist sehr dünn, danach werden sie langsam dicker, bis sie die Dicke der Wand erreicht haben. Cob kann ohne zusätzlichen Halt (z.B. durch Holz) meist nicht in größerem Winkel als 45° „wachsen“ und nicht frei Schweben. Es ist zwar ein sehr stabiles, aber eben auch schweres Baumaterial.

Corbel-Cobs werden um einen senkrechten Holzstab herumgelegt, so dass sie eine Säule bilden.

Auch hier helfen Corbel-Cobs: Es soll ein Bogenfenster (aber ohne Glas) entstehen. Erstmal wird dazu hier eine Säule gebaut, wobei der Holzstab extra Halt gibt. Später wird der Bogen dann von beiden Seiten aus gebaut, natürlich auch aus Corbeln, bis er sich trifft und dadurch wieder stabiler wird.

Bogen-Fenster am Anfang der Bank

Ein fast fertiges Bogen-Fenster (allerdings das auf der anderen Seite der Bank). An einigen Stellen ist etwas zu viel Cob, der dann noch abgesägt werden muss, wenn er trocken genug ist. Und natürlich fehlt der Putz noch.

Auf einer Plane liegen zwei flache Haufen zerbröselten und fast trockenen Wellerlehms

Wellerlehm kann sehr gut wiederverwendet werden. Reste, Überschuss und Cob, der woanders abgerissen wurde (oder nicht gehalten hat. Bei unserem Workshop fiel eine der Armlehnen der Bank ab und musste ersetzt werden), können wieder genutzt werden.

In einer Cob-Mauer ist ein großer Stein als Sitz eingebaut, über den ein hoher Bogen geformt wurde, der auch als Durchgang dienen kann

Hier ist wieder der Sitz-Stein, darüber ein schöner großer Bogen. Hier wurden zuerst biegsame Äste zu einem Bogen geformt und geflochten und dann Cob in das Geflecht eingearbeitet. Auch so kann Cob seine Form bekommen.

Gerade ist der Bogen noch abgespannt, damit er sich nicht nach vorne neigt. Sobald der Lehm trocken ist, wird er seine Form von alleine halten.

Eine kleine graugetigerte Katze spielt mit Stroh

Eine kleine Höhle aus mit Cob umkleidetem Flechtwerk, mit Sitzstein und einem kleinen Fensterchen aus einem eingebauten Marmeladenglas.

Dieser kleine Platz wurde von den Kursteilnehmer_innen selbst entwickelt und war gar nicht geplant. Inspiriert von einer kleinen Katze, die sich bei uns beliebt gemacht hatte 🙂

Zuerst wurde der Sitzstein in die Wand eingefügt, dann kam die Form aus Weidengeflecht, die mit Wellerlehm ausgekleidet wurde. Damit die Katze windgeschützt ist und trotzdem gut sehen kann, hat sie ein Fensterchen bekommen: Ein Marmeladenglas.

OK, das reicht wohl für heute. Es kommen aber noch bestimmt zwei weitere Posts mit Fotos. Und dass, obwohl wir natürlich die meiste Zeit mit Cob bereiten, bauen und lernen beschäftigt waren und uns mit den anderen Kursteilnehmer_innen ausgetauscht haben (und mit der Katze gespielt haben), statt zu fotografieren…

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Eine Antwort zu “Mehr Fotos vom Cob-Workshop 2011 in Dänemark

  1. ich danke euch, das hier ist wirklich sehr interessant zu lesen!

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