Cob/Wellerlehm – das beste Baumaterial!

Wir wollen unser Häuschen aus natürlichen Materialien bauen, die nach Möglichkeit regional verfügbar sein sollen, ohne Maschinen zu verarbeiten sind und mit denen wir fast alles selbst machen können. Sie müssen sich für den Zweck (wohnen) und den Ort (Norddeutschland) eignen und in die Landschaft passen. Außerdem finden wir es toll, wenn wir sowohl den Grundriss als auch kleine Details selbst gestalten können – auf unsere individuellen Bedürfnisse und unseren Geschmack zugeschnitten!

Da eignet sich Wellerlehm (vielleicht besser bekannt als Cob) sehr gut! Bisher ist uns noch kein Baumaterial bekannt, das sich besser eignen würde. Wir können die Lehmwände mit einer Strohballenwand im Norden (wegen besserer Wärmedämmung), einem gestampften Erdboden und einem lebenden Dach kombinieren.

Wellerlehm kann aus Erde vom Baugrundstück, Stroh aus der Region, Wasser und eventuell noch Zugabe von Sand (oder auch Lehm, wenn wir Pech haben und der Lehmanteil der Erde zu gering ist) selbst hergestellt werden. Es braucht nichts gebrannt, mit Maschinen verarbeitet, und mit Glück auch nichts, ansonsten nur sehr wenig, transportiert werden – also ist der Energieaufwand und Treibhausgas-Ausstoß extrem gering! Es sind keine Verschalungen nötig, sondern der Wellerlehm kann „freihand“ aufgebaut werden. Es werden keine Ziegel hergestellt, sondern die noch feuchten Lehmbrote (Cobs) zu einem monolithischen Ganzen zusammengearbeitet.

Quelle: Wikipedia

Durch diese Bauweise wird die Wand nach dem Trocknen sehr stabil und hart, aber sie kann auch sehr feine Details haben. Wir freuen uns vor allem auf Nischen, hübsche Fensterplätze, eingebaute Ablageflächen und Regale, Erkerchen und aus der Wand/dem Boden wachsende, an unsere Größe perfekt angepasste Möbel! Es wird keine schlecht nutzbaren (und langweiligen) Ecken und Winkel geben, die nur die Wärmeabgabe des Hauses erhöhen, stattdessen wird alles organisch geformt sein! Menschen haben keine rechten Winkel, zirkelgezogenen Kreise oder linealgerade Linien – warum sollten ihre Häuser sie haben? Wusstet ihr, dass sich ein runder Raum etwa doppelt so groß anfühlt wie ein rechteckiger Raum derselben Grundfläche? Das konnte ich auch erst kaum glauben, aber es stimmt. Wir sind eckige Räume und Möbel so sehr gewöhnt, dass wir sie für selbstverständlich halten und alles, was davon abweicht, erstmal mit Skepsis betrachten – Ist das nicht unpraktisch, teuer, unbequem, hässlich, Spinnkram? Nun ja, Spinnkram könnte es durchaus sein 😀 je nach Defininition; aber es ist sowohl praktischer, als auch billiger, bequemer, umweltfreundlicher und schöner für alle Sinne!

Schönes, organisch geformtes Cobhaus in den USA:

Ansicht eines Cob-Hauses

Quelle: Gerry Thomasen from Nanaimo, Canada (Link)

Außer dass Lehm regional verfügbar, ökologisch sinnvoll, extrem energiesparend und gut formbar ist, finden wir ihn auch einfach wunderschön! Sowohl von der Farbe her (OK, es gibt Lehm in unendlich vielen Farben, aber fast alle davon sind schön), von der Textur, und der Atmosphäre, die er schafft, als auch von dem Gefühl der Erdung, die er ausstrahlt. Er riecht gut und schafft ein angenehmes Raumklima: Er atmet und gleicht dadurch die Luftfeuchtigkeit aus, so dass sie konstant bleibt. Lehm ist außerdem sehr gesund, da er nicht wie die meisten „modernen“ Baustoffe Gifte ausdünstet, und hat sogar eine antibakterielle Wirkung. Wir mögen ihn auch sehr gerne fühlen, sei es ein Lehmputz an der Wand oder ein Lehmboden unter den Füßen. Sogar für die Ohren ist Lehm ein Segen: Er dämmt Geräusche sehr gut.

Auch die Temperatur des Hauses wird ausbalanciert, da Lehm eine sehr hohe Wärme­speicher-Fähigkeit (spezifischen Wärme­kapazität) besitzt. Wenn die Sonne durch’s Fenser auf den Lehmboden oder die Wand scheint, nehmen diese die Wärme auf und speichern sie, um sie langsam wieder abzugeben. So werden Tag-Nacht-Schwankungen der Temperatur ausgeglichen und es bleibt auch nachts angenehm warm und im Sommer tagsüber relativ kühl, da sich der Lehm nur langsam aufheizt. Im Winter muss allerdings geheizt werden; dazu werden wir vermutlich einen kleinen Holzofen benutzen, dessen Wärme wiederum im Lehm gespeichert und somit sehr effektiv genutzt werden kann.

Warme Oberflächen (Boden, Wände) schaffen eine so angenehme Wärme – die sich z.T. direkt durch Berührung auf den Körper überträgt – dass es sich auch bei geringerer Lufttemperatur wohlig warm anfühlt! Wir freuen uns besonders auf sonnengewärmten Lehmboden unter unseren frösteligen Füßen :).

Natürlich können die guten Wärmeeigenschaften von Lehm nur genutzt werden, wenn das ganze Haus und auch das Drumherum entsprechend geplant und gestaltet werden. Also werden wir z.B. die meisten Fenster und die Tür nach Süden ausrichten, aber auch schattenspendende Rollos vor die Fenster bauen, damit es im Sommer nicht zu warm wird. Außerdem müssen wir gucken, dass es genügend, aber nicht zu viele Sichtschutz und Schatten spendende Pflanzen ums Haus herum gibt und dass es ausreichend gedämmt ist (daher die Idee, die Nordwand aus Strohballen zu bauen).

Wellerlehm ist sehr stabil und haltbar. Lehm ist nicht entflammbar und auch Wellerlehm brennt nicht. Er hat zudem die Eigenschaft, Holz (wie Dachbalken) zu konservieren und ist weder Nahrung noch ein guter Lebensraum für Tiere wie Termiten oder Mäuse. Allerdings ist es wichtig, dass er sich nie mit Wasser vollsaugt, sondern immer sofort trocknen kann, wenn er mal nass werden sollte, da sonst das Stroh verrottet und damit die Festigkeit aufgehoben wird – die Wand bricht zusammen. Wenn es durch ein gutes Fundament, Dach und Putz (kein Zementputz! Dieser zerstört Wellerlehmhäuser, da er zu einem Feuchtigkeitsstau führen kann!) davor geschützt wird, hält ein solches Haus allerdings fast ewig. In Großbrittannien gibt es mehrere Gebäude aus „Cob“, die z.T. seit Jahrhunderten stehen und bewohnt werden! Dieses cob house in Devon, England wurde laut Plakette 1539 gebaut:

Quelle: Cob Cottage Company

Das Bauen mit Naturmaterialien, insbesondere Lehm, ist gesund! Manche kaufen sich teure Schlamm-Gesichtsmasken und Heilerde-Haarkuren im Reformhaus, wir matschen während der Bauzeit in diesem Beauty- und Wellness-Produkt herum! 🙂 Für den Körper, den Geist und die Seele ist das Wellerlehm-Bauen ein Geschenk, das berichten immer wieder Menschen, die selbst damit gebaut haben. Hautprobleme werden weniger, der Körper ist auf gesunde Art in Bewegung, was den Muskeln, Gelenken und Knochen gut tut, außerdem steigt das Selbstbewusstsein, es gibt ganz konkrete, sichtbare Erfolge und auch künstlerisch und kreativ kann mensch sich ausleben! Noch dazu fördert es Zusammenarbeit und Spaß, so kann z.B. beim Wellerlehm-Mischen darin herumgestampft und getanzt werden oder Lehmbrote in einer Kette von Mensch zu Mensch geworfen werden, bis sie dort sind, wo sie gebraucht werden.

So können liebevolle und künstlerische Details eingearbeitet werden:

Quelle: Josh Larios from Seattle, US (Link)

Gemeinschaftsarbeit:

Quelle: Cob Cottage Company

Mud Dance – Tanz im Matsch!

Quelle: Cob Cottage Company

Rund um die Welt wird Lehm als Baustoff verwendet und das schon seit Menschen begannen, Häuser zu bauen (oder schon davor, z.B. von Termiten, Schwalben und anderen Tieren, die Erde/Lehm als Baustoff verwenden). Dabei hat er sich bestens bewährt! Besser erprobt, erforscht und entwickelt kann ein Baustoff gar nicht sein – Lehm wurde von der Natur schon entwickelt, da gab es noch nicht mal Einzeller auf der Erde… 🙂

Moschee von Djenné:

Quelle: Wikipedia

Dogon-Häuser in Mali:

Quelle: Robin Elaine (Wikipedia)

Brutröhren der Uferschwalbe:

Quelle: Wikipedia

Ansicht der Stadt Bam im Iran:

Quelle: Wikipedia

Wellerlehmhäuser der Dogon in Mali:

Quelle: Josef Stuefer

5 Antworten zu “Cob/Wellerlehm – das beste Baumaterial!

  1. Das hört sich doch echt gut an.
    Wir haben davon vorher noch nie Was gehört gehabt. Aber gesehen haben wir Das schon…nur nicht einordnen können.
    Wir werden den Blog extrem gespannt weiterverfolgen.

    Liebe Grüße

    Carmelita and Friends

    • Hallo Carmelita and Friends,

      es freut uns, dass euch diese Seite gefällt und weitergeholfen hat/ ihr was davon mitnehmen konntet! Und natürlich, dass ihr unser Blog weiterverfolgen wollt 🙂

      Liebe Grüße,
      Meeresbande

  2. habt ihr das haus nun gebaut? wie zufrieden seid ihr?

    • Hallo Anni,
      tut uns leid, dass wir das Blog hier in letzter Zeit so selten aktualisieren! Wir haben es noch nicht geschafft, ein Häuschen zu bauen und werden es die nächsten paar Jahre auch nicht tun können, aber danach hoffentlich schon. Zur Zeit wohnen wir mitten in einer Stadt und wollen auch nicht so bald wieder umziehen, aber in ein paar Jahren ziehen wir auf’s Land und haben dort hoffentlich die Möglichkeit, mit Wellerlehm zu bauen.
      Gruß, Meeresbande

  3. Hi,

    Ich heisse Moni und ich hab den cob kurs in den USA mit Janto Evens gemacht.
    Dafür reiste ich extra nach Oregon.
    Ich lebe in der schweiz und denke nicht das es hier erlaubd ist mit cob zu bauen. Deswegen wollte ich mal fragen wie die Regeln in Deutschland sind?
    Ich bedanke mich im voraus für jede info die ihr mir miteilen könnt.

    Danke
    Moni

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s